Offener Brief an Sigrid Berenberg vom Kultwerk West

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15. März 2011

Liebe Frau Berenberg,

seit der Bekundung der Schließungsabsicht des Senats gegenüber dem Altonaer Museum haben Sie nicht viele Gelegenheiten ausgelassen, um unterschwellig bis offen gegen das Museum und seine MacherInnen Stimmungen zu produzieren oder zu bedienen, die diesem kulturbarbarischen Ansinnen Legitimität verleihen sollten.

Wir haben das stets mit großer Gelassenheit betrachtet, schon weil wir mit der Rettung des Museums gut ausgelastet waren. Nun aber ist es vielleicht doch einmal an der Zeit, Differenzen zwischen Ihnen und unserer Bürgerinitiative offen zu legen und damit einem vom Kultwerk West propagierten Gedanken des lebendigen Austausches zu folgen, der eben auch einmal Streit bedeuten kann, wie in diesem Fall.

Bereits am Tag der Offenen Tür des Altonaer Museums am 3. Oktober letzten Jahres ließen Sie es sich nicht nehmen, am Rande einer Podiumsdiskussion im Galionsfigurensaal („Sparzwang und Kultur-Harakiri – wohin führt die Hamburger Kulturpolitik“) Stimmung gegen das Museum zu machen.

Damit war Ihnen ein Platz beim später vom schwarzgrünen Senat veranstalteten Kulturgipfel gewiss. Wir mussten leider draußen vor Tür bleiben, aber das war und ist ja auch irgendwie nachvollziehbar.

Wie der Zufall es wollte, haben Sie dann unmittelbar nach diesem Gipfel passend zum Start unser Volksinitiative an uns bzw. Frau Kröger-Voss und ihren Mann geschrieben (mit Durchschrift an alle Fraktionen, Olaf Scholz etc.) und unter anderem darüber belehrt, dass wir zur Kenntnis zu nehmen hätten, „dass wir diese und andere Bürden nun auf unseren Schultern haben. Das ist unsere Realität, und damit gibt es weniger Geld – leider auch weniger Geld für die Zukunft der Museen“, nachdem Sie zuvor schrieben: „Wir können mit Fassungslosigkeit oder sogar Wut beklagen, welche finanzielle Bürde der Senat den Hamburgern mit der Rettung der HSH-Nordbank auferlegt hat, weil, wie Ex-Senator Freytag sagte, die HSH-Risiken eben Folge der “Bestellung eines Formel-1-Wagens” gewesen seien“.

Die CDU wird dies gerne zur Kenntnis genommen haben, während Sie es hätten besser wissen können, hat doch Dr. Strate bei Ihnen im Kultwerk bereits zweimal Vorträge über das HSH-Desaster gehalten. Die CDU hatte unter Ole von Beust die HSH-Nordbank zum Zocken angehalten (Renditeziele von mehr als 15 Prozent) und damit die Situation aktiv herbeigeführt, die nun eine Rettung notwendig machte, die übrigens zugleich eine Subventionierung der Reeder und Fondshäuser war, die von der Nichtbeitreibung von Forderungen der HSH-Nordbank gegen sie profitierten.

Warum geben wir diesem Aspekt hier Raum? Zum einen, weil sie ihn als belanglos abtun, „Aber die Wut ändert nichts daran, dass wir diese und andere Bürden nun auf unseren Schultern haben“, zum anderen, weil dies (HSH) und die sogenannte Bankenrettung auf Bundes- (SoFFin) wie Europaebene (750 Mrd. EUR-Schutzschirm) den Subtext für die Hervorbringung des „Wutbürgers“ bildet.

Ihre Haltung, die Bedingungen wie naturgegeben zu akzeptieren, ist eben nur manchmal richtig, und im vorliegenden Fall war sie ganz falsch, weil sie die Dimension der Legitimität von Politik kaltschnäuzig ausblendet und ausschließlich machtpositivistisch agiert.

Dabei soll gar nicht in Frage gestellt sein, dass Sie hiermit für Ihre Interessen bislang sehr gut klargekommen sind. Das Museum hätte ohne Konfrontation mit dem Senat und dem Bestreiten seiner Legitimität für die Kürzungen im kulturellen Bereich jedoch nicht gerettet werden können.

Dass Sie hieran kein Interesse hatten, lässt Ihre Position nachvollziehbarer, weil zweckrational erscheinen, macht Sie aber natürlich auch zu unser Gegnerin.

Sie schrieben damals: „Wir sind uns wohl einig, dass man unser Altonaer Museum nur retten kann durch eine grundlegende Neukonzeptionierung. Dieses neue Konzept muss den wirtschaftlichen Realitäten ins Auge sehen. Vielleicht wäre ein verkleinertes Altonaer Museum mit Kulturhauses Altonaer [sic] denkbar? Oder ein Kindermuseum mit breitem Kinderkulturangebot auf verkleinerter Fläche?“ Es bedarf nicht der Hellseherei, um zu begreifen, dass Sie bereits Ideen für die Nutzung der eingesparten Flächen hatten.

„Senatsüberlegungen zu einer möglichen Schließung des Altonaer Museums können für die Museumsleitung nicht völlig überraschend aufgetaucht sein in diesem Herbst. Gerüchte dazu gab es schon vor einigen Jahren. Damals haben wir Kultwerker diese Gerüchte aufgegriffen und uns deshalb bei der Kulturbehörde als Teilnehmer für einen möglichen Gedankenaustausch zur Zukunft des Altonaer Museums (vergeblich) angeboten“. Das war die Zeit vor Stuth. Jetzt waren Sie dabei. Sowohl bei dem „Kulturgipfel“ wie auch beim Runden Tisch zur Zukunft des Altonaer Museums. Ehe wir hierzu kommen aber noch einige anschließende Zitate aus ihrem Schreiben:

„Der Zusammenhang von Besucherzahlen und Museumskonzept ist bekannt. Ein Museumskonzept basiert nicht nur auf Etat und Sammlung. Jedes Museum braucht  für den Publikumserfolg mutige, zielgerichtete Macher/innen mit guten Ideen und mit einer Bereitschaft, auch ganz neue Wege zu gehen. Ebenso gebraucht werden solide Management-Fähigkeiten. Sogar ein Gespür für Trends bräuchte eine Museumsleitung. Gab es all das im Altonaer Museum in den letzten Jahren?“

Die Empathie, die Sie, liebe Frau Berenberg, für den Senat in Sachen HSH-Nordbank aufbringen, vermisst man schmerzhaft an dieser Stelle. Wenn Milliarden EUR Steuergeld verbrannt werden, sind das halt die Bedingungen, unter denen fortan Politik zu unseren Lasten gemacht werden muss. Wenn die historischen Museen in Hamburg notorisch unterfinanziert sind, dann ist die Folge einer gewissen Verödung ein Ausdruck unfähiger Museumsleitungen. So einfach kann die Welt sein. Und so schließt sich folgerichtig das hohe Lied auf Herrn Stuth und der Abgesang auf Frau von Welck an, ohne natürlich selbst Namen zu nennen:

„Ein Museum braucht auch eine übergeordnete Kulturbehörde, die gut hinschaut, sich verantwortlich fühlt und sich einschaltet, wenn Museumsleitung / Stiftung über Jahre den Niedergang der Besucherzahlen nicht stoppen können. Hatten wir die in den letzten Jahren?“

Wir hatten versprochen, auf den Runden Tisch Altonaer Museum zurückzukommen: Sie, liebe Frau Berenberg, waren, wie wir,  eingeladen, an einer neuen Konzeption mitzuarbeiten. Sie sind ohne eine Begündung den Arbeitssitzungen fern geblieben.

Nun, nachdem das Museum so gut wie gerettet ist, melden Sie sich wieder und erinnern: „…Überhört: Schon 2007 kam ein Bürgervorschlag für einen runden Tisch zur Neukonzeptionierung des besucherlosen Altonaer Museum“.

Sie können es nicht lassen. In einem Plädoyer für Reden, die nicht länger als 35 Minuten dauern mögen, schaffen Sie es, einen Affront gegen das Altonaer Museum unterzubringen. Cato Censorius lässt grüßen. Großzügig übersehen Sie dabei, dass das Museum im Jahr 2007 um die hundertausend zahlende und nichtzahlende BesucherInnen hatte.

Sollten Sie oder einer Ihrer MitstreiterInnen im Kultwerk West, in Anerkennung der Bedingungen der Weiterexistenz des Altonaer Museums, dereinst bereit sein, einen kritischen Diskurs über die Zukunft des Altonaer Museums zu führen, so würden wir uns einer Einladung sicherlich nicht verweigern und sehr gerne mit Ihnen über die Anforderungen eines modernen Museums reden.

Auf Sticheleien an ungeeigneter Stelle werden wir künftig nicht mehr eingehen und hoffen zugleich aber, dass Ihr Positivismus, sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren, auch bei Ihnen in Sachen Museum zu mehr Gelassenheit führen wird.

Wir verbleiben,

mit freundlichen Grüßen

Dr. Elisabeth von Dücker

Peter Schwanewilms

Aram Ockert

SprecherInnen der Bürgerinitiative “Altonaer Museum bleibt!”

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